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ménage à trois


Der Schlüssel zum Geheimen lag für Juan auf Antonias und Gustavs Haut. Sein Dasein, Lieben, Leiden war von drei Körpern durchdrungen. Dem eigenen und der Sehnsucht nach einer Frau und einem Mann. Vorbei waren die Zeiten, in denen er in ständiger Furcht vor sich selbst, seine sexuellen Bedürfnisse verleugnete. Nun waren das Begehren und die Begierde zu dritt sein eigen.


Von ihren beiden Körpern nahm er sich, was er wollte, egal wann und wo. Abend für Abend verwandelte er sein Haus mit seiner Vorstellung von Liebe, gab sich dem Gespür für Besonderheiten hin. Endlich hatte er einen Weg gefunden, um diese Art von Liebe und seine Doppelnatur auszuleben. Vorbei war der Sittendruck seiner ländlichen Wohngegend. Das war nicht immer so gewesen.


Lange war da nichts Offensichtliches, schien es für Juans Verlobte Antonia keine Anzeichen von der Doppelnatur ihres Mannes zu geben bis ein Fremder namens Gustav in ihr beider Leben trat. Sein Eros forderte das Paar auf, ein neues Feld zu betreten, das weit über das Alltägliche hinausging. Schnell wurde das Paar von der geheimen Grösse der Sünde berührt, Tore geöffnet, der Begierde eine leidenschaftliche Grenzenlosigkeit zugeführt, die bald jeder der drei mit dem anderen auslebte.




Es war letzten Herbst gewesen, schon gegen Mitternacht, als Antonia von einer Reportage über radikale Islamisten in Tanger aus Marroko zurückkehrte, da stand im Flur ein Tramperrucksack mit einer Jakobsmuschel. Ein zweiter Mann war eingezogen und brachte alles durcheinander.




Bei Kerzenschein und Gaszpacho auf dem Balkon erzählte ihr Juan die lückenhafte Version von seiner ersten Begegnung mit Gustav auf der Festung in Granada. Ausserhalb der Alhambra, ein maurisches Bauwerk, selbstverständlich zu ihr gehörend, wie ein für die Ewigkeit bestimmtes Liebespaar, die arabischen Rosengärten el Generalife. Daher führte ein dunkler Gang zum Aussichtsturm, den Juan oft abends durchschritt, um im Anblick der Las Ventas, Plaza de Toros, dem im Fluss Rio Darro sich spiegelndem Lichtermeer Granadas inne-zuhalten.


An diesem Ort schien es ihm aber auch selbstverständlich, dass irgendein Mann auf ihn wartete. Mit dem Rücken an einen Orangenbaum gelehnt, fing ein Unbekannter mit einem Bleistift und Block die Szene in den Gassen des Albaicinviertels ein. Er sah zu Juan herüber, grüsste. Neben ihm ein Wasserspeier. Mit der hohlen Hand schöpfte er ein wenig Wasser, spülte den Mund, warf es ins erhitzte Gesicht. Kaum zwei Schritte von Juan entfernt, sagte er in Spanisch mit Akzent: " me gusto de sus corridas durante la Fiesta Corpus Christi."


„Gracias" und Juan hatte nicht vor mehr zu sagen, drehte sich zu ihm um, sah ihm das erste Mal direkt ins Gesicht. Tropfendes blondes Haar, blaue Augen, makellose Gesichtszüge. Ein Bild vollkommender Schönheit und Reinheit verstörte Juan, weil er seine Jugend verloren hatte und sich nun von ihr bedrängen liess.




Der Fremde holte ein Päckchen Hanf aus seiner Jeansjacke, öffnete es, bot Juan ein Schächtelchen mit Zigarettenpapier an. Juan, der noch nie geraucht hatte, nahm ein Blatt Papier, streute etwas Hanf darauf, versuchte sich den ersten Joint seines Lebens zu drehen. Es misslang. Der Fremde lachte. Ein helles, jungenhaftes Lachen, es klang wie eine Befreiung. Er machte einen Schritt auf Juan zu:


„Nehmen Sie meinen Joint!"


Juan spürte die erwartungsvolle Hitze seines jungen Körpers, den Geruch von Hanf. Er berührte, als er nach dem Joint griff, mit den Fingerspitzen seine kühle Hand unter der Haut der Wärme war. Der Fremde stahl ihm ein Gefühl der inneren Sicherheit. Zwar wusste Juan, dass Matadoren wie er Objekte der Begierde auch von anderen Männern waren, doch nur in der Arena. Hier befand er sich auf dem offenen Feld der Lust, die der aufkeimenden Phantasie keine Zügel verlieh. Kurz zitterte er, ehe er sich im Fragen nach Allgemeinem wieder fing, erfuhr, dass der Fremde Schweizer war. Nach dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela nun Andalusien bereiste und in einer schrecklichen Lage steckte.




Antonia war überrascht über die Grosszügigkeit ihres Mannes, einem Fremden, der der hohen Kriminalitätsrate Andalusiens zum Opfer gefallen, bestohlen worden war, Obdach zu gewähren. Ihr Bauchgefühl misstraute der ganzen Sache. Doch sie sagte nichts, liess ihren Verlobten erzählen.




„Er ist nett, kreativ, gesprächig. Du wirst ihn morgen beim Frühstück sehen. Jetzt schläft er wie die letzten zehn Tage im Gästezimmer. Übrigens, er sieht wie dieser blonde, amerikanische Schauspieler aus, du weist schon."


Für einen Moment verzog Juan seine Lippen.


„War da mehr geschehen, als ihr Verlobter erzählte?" Sie wurde ein zweites Mal misstrauisch. Hob ihre Augenbrauen, ehe ihr Juan wieder einen Löffel Gaszpacho in den Mund goss und sofort versuchte, ihren Zweifel über seine Liebe zu ihr wegzuwischen. Er tauchte mit dem Löffel nach dem Eis, lutschte die Brühe ab, warf ihren Kopf zurück. Nun liess er den Würfel aus seinem Mund auf ihr Dekolleté fallen, rolle ihn mit der Zunge zwischen der Spalte der Brüste hin und her. Ehe das Eis geschmolzen war, stürzten sie ineinander, umarmten sich mit der Gewalt und dem Ungestüm junger Hunde, als wollten Sie sich gegenseitig erdrücken, die Knochen brechen, den Atem nehmen. Ihre Hände zerrten an seinem Hemd, die Haut seines Rückens war heiss und nass, die Muskeln vibrierten vor Anstrengung und gleichzeitig spürte er ihre Fingernägel Spuren über seinen Rücken ziehen. Sie küssten sich, nein, sie kämpften in der Umarmung, ihre Lippen bissen die Lippen des anderen, mehr ein Zusammenstoss als ein Küssen. Als dürften Sie keine Sekunde verlieren, als müssten sie sich aneinander festhalten, als wäre es das letzte Mal, jemanden im Arm zu haben, verzweifelt und euphorisch zugleich. Er spürte wie ihr Körper sich aufheizte, weich wurde, wie ihre Hüfte sich an seinen Schenkeln weitete.


„Mm, das füllt sich gut an", flüsterte Antonia, streckte ihm ihre Zungenspitze ins Ohr, spürte gleichzeitig seine Männlichkeit auf, drückte, polierte sie mit ihrer Hand. Sie gilt an seinem Körper hinunter, er fühlte den weichen Druck ihrer Brüste an seinen Oberschenkeln. Er dachte, er würde auf der Stelle kommen. Packte ihren Hintern, versuchte ihn in Richtung Männlichkeit zu steuern, aber sie beugte sich herüber, zauberte ein Kondom unter dem Couchkissen hervor.


„Damit wir unsere Liebe mit niemandem teilen müssen", dachte aber „ich bin nicht der weibliche Organismus, um deine DNA zu reproduzieren" während sie die Packung aufriss, ihm das Gummi überstreifte. Juan wollte sich dagegen auflehnen, doch sie liess sich unter leisen Aufschreien auf ihm nieder.


„Oh Gott" stöhnte sie. Warf den Kopf zurück, dann richtete sie sich auf, um vor und zurückzuschaukeln. Als ihre Bewegungen schneller wurden, zog Juan sie zu sich herunter. Sie packte eine Handvoll von seinem Bauch, ritt ihn wie ein Jockey durch den Parcours der Lust bis ans Ziel.




Antonia legte sich neben ihn. Er tastete nach ihr, doch sie schob sanft seine Hand weg, drehte sich zur Seite, bemerkte wie sich der Vorhang des Gästezimmers schloss, der Fremde von Fenster zurücktrat. Er hatte alles gesehen.

30.9.09 19:12

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